Das Betriebsrentenstärkungsgesetz

Die Reform der betrieblichen Altersversorgung

Am 1. Juni 2017 hat der Bundestag das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) beschlossen - zum 1. Januar 2018 tritt das Gesetz in Kraft.

Das Ziel: Die betriebliche Altersversorgung soll vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen gestärkt werden und Beschäftigten mit geringem Einkommen einen Anreiz zur eigenen Vorsorge geben. Betriebsrenten werden für Unternehmen und Mitarbeiter noch attraktiver.

Die wichtigsten Neuerungen für Sie im Überblick:

Neuer Förderbetrag für Mitarbeiter mit einem Einkommen bis 2.200 EUR

Zahlt der Arbeitgeber ab 2018 zwischen 240 und 480 EUR jährlich in eine zusätzliche bAV ein, kann er 30% davon bei der nächsten Lohnsteuer-Anmeldung verrechnen, max. 144 EUR. Dieser Vorteil gilt zusätzlich zu den anderen staatlichen Förderungen und nur für Mitarbeiter mit einem monatlichen Bruttoeinkommen bis 2.200 EUR. Der Beitrag kann weiterhin als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Steuerliche Förderung für bAV wird von 4% auf 8% erhöht

Ab 2018 ist es möglich, steuer- und sozialversicherungsfrei deutlich mehr Geld in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds zu investieren. Bis zu 8% (bisher 4%) der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) sind steuerfrei, also 6.096 Euro. 4% (3.048 Euro) sind zudem sozialversicherungsfrei. Beiträge von bisher bestehenden "Alt"-Direktversicherungen nach §40 b EStG werden dabei angerechnet. Der bisherige Zusatzbetrag von 1.800 EUR entfällt.

Besonders interessant für Fach- und Führungskräfte mit höherem Einkommen und damit höherem Versorgungsbedarf.

Pflicht-Arbeitgeberzuschuss: Weitergabe der Sozialversicherungs-Ersparnis

Bei einer Entgeltumwandlung (Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds) spart nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber Steuern und Sozialabgaben. Ab 2019 muss der Arbeitgeber bei Neuverträgen grundsätzlich ersparte Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 15% in den Vertrag des Arbeitnehmers einzahlen. Bei bestehenden Verträgen greift diese Regelung ab 2022.

Die betriebliche Altersvorsorge rechnet sich für Beschäftigte also künftig noch mehr.

Opting-out-Verfahren wird rechtssicher gestärkt

Das schlanke Verfahren bedeutet, dass Mitarbeiter automatisch in ein bAV-Versorgungswerk aufgenommen werden. Arbeitnehmer erhalten aber eine Abwahlmöglichkeit - ein "Opting-out". Opting-out kann weiterhin unternehmensindividuell, unabhängig von Tarifvereinbarungen, eingerichtet werden.

Beitragszusage wird neu eingeführt

Es wird eine neue Zusageart eingeführt - die reine Beitragszusage. Der Arbeitgeber verspricht seinen Mitarbeitern die Zahlung von Beiträgen in die bAV. Statt einer garantierten Rente wird eine Zielrente avisiert.

Vorteil: Der Arbeitgeber hat über die Beitragszahlung hinaus keine weiteren Verpflichtungen. Durch eine flexiblere Kapitalanlage und den Verzicht auf Garantien kann eine höhere Rente erzielt werden. Der Gesetzgeber legt bestimmte Rahmenbedingungen fest, z.b. ausschließlich Rentenzahlung oder eine verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung, Beschränkung auf Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds.

Wichtig: Die Beitragszusage ist nur im Rahmen von tarifvertraglichen Regelungen möglich, d.h. Tarifvertragsparteien können eine solche Zusage vereinbaren. Dann können tarifgebundene Arbeitgeber teilnehmen oder tarifungebundener Arbeitgeber die Anwendung von einschlägigen Tarifverträgen vereinbaren.

Abfindungen steuerfrei für die Altersvorsorge verwenden

Es wird attraktiver, eine Abfindung des Arbeitgebers bei Ausscheiden des Mitarbeiters steuerfrei in eine bAV-Anwartschaft zu investieren (im Rahmen des sogenannten Vervielfältigungsregelung). Für max. zehn Berufsjahre können bis zu 4% der Beitragsbemessungsgrenze steuerfrei eingezahlt werden - 2018 liegt der Höchstbetrag, mit aktueller Beitragsbemessungsgrenze-West gerechnet, bei 30.480 EUR und damit fast doppelt so hoch wie zuvor. Die Berechnungsregel wurde außerdem deutlich vereinfacht.

Nachholen von Beiträgen für die bAV

Arbeitsleben mit Unterbrechungen durch z.B. Elternzeit oder Auslandsentsendungen gehören heutzutage zum Berufsalltag. Dadurch wird nicht kontinuierlich in die bAV eingezahlt, es entstehen Versorgungslücken. Ab 2018 ist es möglich, Beiträge für ruhende Arbeitsverhältnisse nachzuholen. Das ist pro Kalenderjahr bis zu 8% der Beitragsbemessungsgrenze und für maximal zehn Kalenderjahre möglich.

Neuer Freibetrag für Altersvorsorge bei der Grundsicherung

Durch den neuen Freibetrag von bis zu 204,50 EUR für eine zusätzliche Altersvorsorge wie z.B. eine bAV wird diese weniger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet. Eine bAV wird für Mitarbeiter, insbesondere mit geringem Einkommen, attraktiver uns sie erhalten mehr von ihrer zusätzlichen Vorsorge.

Riester-Förderung steigt und Verbesserung bei Riester-bAV

Die Grundzulage für jeden Vertrag steigt auf 175 EUR. Kinderzulagen bleiben unverändert bei 180 bzw. 300 EUR, je nach Geburtsjahr. Die doppelte Beitragspflicht in der Krankenversicherung während der Anspar- und Leistungsphase bei Riester-bAV entfällt.

Sie haben weitere Fragen zum neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz? Dann vereinbaren Sie einen Termin mit unserem Spezialisten für betriebliche Versorgungssysteme, Herrn Tillmann Güthing.