Die Genossenschafts-Idee entstand Mitte des 19. Jahrhunderts.
Viele Menschen leiden in dieser Zeit an Hunger, Elend und sozialer Not. Zwei Männer setzten nicht auf Almosen oder staatliche Hilfe. Vielmehr wollten sie die Menschen unterstützen, damit sie sich selbst aus der schwierigen Lage befreien konnten: Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.
Fast gleichzeitig, aber doch unabhängig voneinander, entwickeln Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch eine neue Unternehmensform: die Genossenschaft.
Der Politiker Hermann Schulze-Delitzsch gründete 1849 die erste Genossenschaft, als Vorläufer der heutigen Volksbanken Raiffeisenbanken, die auf den Prinzipien Selbsthilfe , Selbstverwaltung und Selbstverantwortung beruhte. Durch gemeinsamen Einkauf erlangte der Einzelne wirtschaftliche Vorteile, ohne dabei seine Selbständigkeit zu verlieren.
Friedrich Wilhelm Raiffeisen setzte zunächst auf das karitative Element. Auf seine Initiative taten sich die Bewohner von Dörfern zu Darlehensgenossenschaften zusammen, die der Landbevölkerung überhaupt erst Bankgeschäfte möglich machten. Die Mitglieder hafteten dabei gemeinschaftlich und unbeschränkt für alle Darlehen, die an die einzelnen Mitglieder vergeben wurden.
In der ländlichen wie in der gewerblichen Wirtschaft entwickelten sich die Genossenschaften rasant: Mehr als 34.500 Genossenschaften gab es bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges, darunter 19.000 Kreditgenossenschaften. Der neue Unternehmenstyp, in dem Kunden gleichzeitig auch Teilhaber sein können, wurde zum Vorbild für gleichartige Gründungen in der ganzen Welt.